• Japan,  Kansai,  Kioto

    Licht in dunklen Zeiten

    Zur Jahrtausendwende, um die 950er Jahre, wütete in Japan die Pest, Erdbeben suchten das Land heim. Man kam nicht mehr hinterher, die Toten zu bestatten. In Kyoto kamen sie schlicht auf die andere Seite des Kamo-Flusses, wo sie verwesten. Auch Kyoto hatte damals seinen Augustin. Der Mönch Kuya kaufte viele Leichname, um diese würdevoll zu bestatten. Singend, trommelnd und tanzend zog er über Dörfer und Märkte. Er sang “Namu Amida Butsu” – “Ich vertraue auf Buddha” -, tanzte mit Kindern im Kreis und richtete sich an das einfache Volk. Er sprach von einer Religion, die sich nicht nur auf die wohlhabende Elite beschränken sollte. Die Traditon des Nembutsu-Singens hat sich…

  • Japan,  Kansai,  Kioto,  Okinawa

    Kannon, Kanonen und Berlins Goldene Zwanziger

    Lange haben wir nichts von uns hören lassen, denn wir haben uns hinter Bücherstapeln vergraben, tausende unserer Fotos gesichtet und ausgewählt, Texte geschrieben – kurz: unser Buch „Saigoku – Unterwegs in Japan’s westlichen Landen“ ist nun auch als deutsches und englisches Ebook erhältlich. Außerdem wird im Frühjahr ein neues Buch rauskommen „Okinawa – Unterwegs in Japan’s südlichen Landen“. Saigoku läßt uns aber auch nicht los und so haben wir weitere Dinge zum Thema „Kannon, Kanonen und Berlins Goldene Zwanziger“ recherchiert: In den 33 Tempeln des Saigoku-­Pilgerwegs wird Kannon verehrt, eine buddhistische Göttin, die in Berlins Goldenen Zwanzigern übrigens zum Allgemeinwissen gehörte. Als aber ein Wiener Journalist auf einer Pressekonferenz die…

  • Allgemein,  Japan,  Kioto

    Fabelhafter Moment

    Kyoto schickt wieder seine Zauberbande aus. Etwa 10000 km liegen hinter uns; wir sind in der alten Hauptstadt angekommen und lassen uns ergebenst einfangen. Von diesem schlauen Inari-Fuchs etwa, der die kleine, dunkle Gasse beobachtet im Auftrag der Götter des Reises. Vermutlich residieren sie in dem mächtigen Baum davor. Dieser ist seinerseits möglicherweise ein Nachkomme eines Vorfahren, dessen Wurzelreste in jenem kleinen Schrein liegen, der so hell in die Dunkelheit strahlt. Der Inari-Fuchs ist ein Fabelwesen, vergleichbar mit Reineke Fuchs. Er kann sich verwandeln und insbesondere besteht die Gefahr, dass hinter einer verführerischen Schönheit sich in Wahrheit die schlaue Märchengestalt verbirgt. Allerdings zieht er durchaus auch mal den kürzeren, zum…

  • Japan,  Kansai,  Kioto,  Osaka

    Der Mensch ist gut, da gibt es nichts zu lachen

    Mit dem Karma ist das ja so eine Sache. Man investiert und hofft, dass irgendwann die Rendite positiv ist. Das heisst, das hofft man nur heimlich, weil sonst gibts Minuspunkte. Tja, und was sollen wir sagen – vergesst das Karma und solche Geschichten, denn die Welt – der Mensch – ist gut. Punkt. Diese Woche ist eine herrliche Woche, wir haben nach einem recht arbeitsreichen November und halben Dezember wieder Zeit, mal um uns herum zu blicken. Zwar waren August und Hide-san am Sonntag noch allein mit der lustigen Kansai-Wandertruppe 16 km bergauf und -ab unterwegs, (ich mußte nach Tokyo zwei Vorträge halten), aber schon am Montag fand die Jahresendparty…

  • Japan,  Kioto

    Intermezzo pour Jenny

    … mit einem kleinen Ausflug aus dem Alltag, rein in das bunte Gewimmel des Festes der Jahrhunderte, dem Jidai-Matsuri. Vor eintausendzweihundertzwölf Jahren, nach etlichen irdischen – buddhistische Scharmützel in der Hauptstadt Nara – und überirrdischen – Erdbeben und Ermordung des Architekten in der Interimshauptstadt – Zaunpfahlwinken, fand Kaiser Kammu zu seiner idealen Ebene und gründete die neue Hauptstadt Kyoto. Die bösen, feng-shuistischen Geister des Nordens wurden durch eine Bergkette ferngehalten und um ganz sicher zu gehen, errichtete man noch ein paar Bergtempel; so auch den Tempel Enryaku auf dem Berg Hiei (Teil des Weltkulturerbes). Im Osten und Westen strömte klares Wasser in die Ebene, die sich weit nach Süden erstreckte.…

  • Japan,  Kansai,  Kioto

    Sommervergnügen, Teil 2

    Letzte Woche gab es einen besonderen Tag im Japanischen Kalender, den sog. Shosho-Tag (23.8.). Es ist der Tag, an dem die schwüle Sommerhitze etwas nachlässt und die Luft angenehm frisch riecht, etwa wie nach einem europäischen Sommergewitter. So fiel es uns jedenfalls am Morgen auf dem Weg ins Büro auf und am Abend lernten wir dann in den NHK-Nachrichten, dass es sich an diesem Tag auch so gehört. Es gibt noch 24 weitere Tage, die sich direkt auf den Wandel der Jahreszeiten beziehen (siehe Liste in Wikipedia ). Neben speziellen Tagen gibt es etliche jahreszeitliche Symbole. Für den Sommer sind das u.a. Grillen, Grillenzirpen, Hortensie, Glühwürmchen, Aal, Wilde Lilie, ….…

  • Japan,  Kansai,  Kioto

    Sommervergnügen, Teil 1

    Das Schlagwort des Sommers ist “Matsuri”. Matsuri bedeutet soviel wie Festival, es gibt kleine und grosse, bekannte und unbekannte. Das Gion-Matsuri in Kyoto ist riesig und sicherlich ein Grund dafür, dass Kyoto nach Mekka (!) die am zweithäufigsten besuchte Stadt der Welt ist. Das Gion-Matsuri findet seit 869 statt. Anlaß war eine Pest und man versuchte durch das Herumtragen von Hellebarden die Götter zu besänftigen. (Zweifel, dass sich Götter durch das Herumfuchteln mit Waffen beeindrucken lassen, sind vermutlich berechtigt.). Mit der Zeit wurden die Lanzen auf Wagen montiert und mit großer Anstrengung durch die Gegend gerollt. Die Wagen waren interessanterweise seit dem Mittelalter mit vorzugsweise europäischen und chinesischen Teppichen dekoriert.…