• Essen und Trinken,  Estland,  Finnland,  Langstreckenzug,  Moskau

    Auf’s neue mit der Transsib nach Okinawa / Once more by Transsiberian to Japan

    Tiger auf dem Weg. Woran merkt man, dass es ostwärts geht? Der Buchweizenanteil im Essen steigt und zum Frühstück gibt es Kascha. Gut zu wissen auch, dass ich weiterhin gut auf dem Schiffsboden schlafen kann. Dem Morgen graut und Turku ist in Sicht. From Tiger to Tiger. Greeting will be forwarded. How do you know that you are approaching the east? Buckweat content in your food increases and you get Kascha for breakfast. Good to know that I still sleep well on the floor. Approaching Turku, the sun breaks through the clouds. Einen Gruß aus Estland schickt mir das finnische Frühstücksbufet, denn es gibt Kama 🙂 Das ist geröstetes Mehl, Erbsen und…

  • Estland,  Okinawa

    Déjà vu

    Wir verbringen nun ein paar Tage 100 km nördlich von Naha, an der Küste im Dorf Nakijin. Unterwegs mit den Rädern hatten wir heute ein waschechtes Déjà vu. Das Küstendörfchen Nakijin erinnert doch sehr stark an das Dorf Kärdla, die Haupt“stadt“ der Insel Hiiumaa in Estland. Es gibt kleine Häuser, die in einem schachbrettartigen Netz von Gassen verbunden sind und die durch grüne Tunnel von Wind und Wetter geschützt werden. Man fährt Rad und baut Steinmauern um die Häuser als zusätzliche Windbrecher. Beide Dörfer sind wunderschön und die Leute haben Zeit.

  • Besuch bei Marta in Helsinki
    Estland,  Finnland,  Langstreckenzug

    Helsinki

    Nach unserer letzten Lesung in Stuttgart am 27.11. ging es endlich los Richtung Japan. Zunächst mit dem Zug nach Stockholm, dann die Fähre nach Turku und wieder in den Zug, um am 30.11. gegen Mittag in Helsinki anzukommen. Wir hatten nun 30 Stunden Zeit bis zur nächsten Zugetappe nach Moskau. Das Wetter in Helsinki war winterkalt und sonnig, ganz weihnachtlich. Da passte gut ein Konzertbesuch in der Felsenkirche ins Konzept. Die Felsenkirche von Helsinki (Temppeliaukion kirkko) ist ein wunderbarer Ort für ein Adventskonzert. Mitten in den Felsen ist sie hineingesprengt worden und in der Kuppel gibt es – ganz zwergisch – eine funkelnde Kupfersonne. Am nächsten Tag flogen wir aus…

  • Estland,  Musik

    Hanseatische Tage weit weg von der Ostsee

    In Tartu werden alljährlich die Hansetage gefeiert, denn die Stadt hat das Recht, sich Hansestadt zu nennen. Wie geht das ohne Zugang zur Ostsee? Nun, indem man eine Eiszeit hat und das Land nach dem Rückzug des dicken Panzers sich wieder allmählich erhebt. Das führt dann unter Umständen dazu, dass Flussläufe trocken gelegt werden, die sonst die Verbindung zur Ostsee und weiter zum Peipussee herstellen könnten. So geschehen mit dem Emajogi, der nun zerstückelt in der Gegend von Pärnu fließt, aber eben auch in der Gegend von Tartu. Die Hansetage sind eine Riesensache, denn es kommen etwa 200 000 Besucher in die Stadt. Immerhin 1/5 der Bevölkerung Estlands. Es gibt…

  • Vana Muusika Festival
    Estland,  Musik

    Vana Muusika Festival

    Vana heißt alt, die Oma ist Vanaema – die ältere Mutter. Und Vanatallinn ist ein Schnaps und Mitbringsel und der Vana-Toomas, der alte Thomas, wacht über Tallinn, wenn er nicht selber zu viel Vanatallinn genascht hat. Nun, wir wollen eigentlich gar nicht über Tallinn erzählen, denn wir sind in der Mitte des Landes, in der Nähe vom Virtssee, in Viljandi. Die Stadt hieß früher auch Fellin. Heute hat sie 18.000 Einwohner und damit ist sie die sechstgrößte in Estland. Es ist faszinierend zu beobachten, wie erfolgreich kleine Orte Kulturleben inszinieren können. (So wie Zittau, hat aber auch 30.000 Einwohner und zwei Uni’s). Viljandi ist sehr bekannt wegen des alljährlich stattfindenden…

  • Sommer in Pärnu
    Estland,  Musik

    In der Hauptstadt des Sommers

    Esten denken praktisch, also haben sie mehrere Hauptstädte. Die für die offiziellen Dokumente usw. heißt bekanntlich Tallinn. Dann gibt es Tartu, die Hauptstadt der Wissenschaft, Otepää, die Hauptstadt des Winters, Paide, die Hauptstadt der Herzen (zumindest ist auf den Karten immer ein Herz eingezeichnet, da an diesem Ort die Mitte des Landes ist), Kärdla, die Hauptstadt der Kaffeetrinker und Pärnu – die Hauptstadt des Sommers. Der Name ist wohl verdient, die alte Hansestadt mit wundervollen Holzhäusern ist schon bei den russischen Zaren als Kurort beliebt gewesen. 175 Jahre Kurort-Dasein wird diesen Sommer gefeiert. Die Zaren haben zum Glück ausgedient und so erholt sich heute halb Estland, Finnland und ein paar…

  • Estland,  Musik

    Juu Jääb

    Das Musikfestival Juu Jääb findet auf der Insel Muhu in Hinterpusemuckeldörfern statt. Gestern gab es zum Beispiel ein Konzert in einem Ort mit 6 alten Bauernhöfen. Motto des Jazz-Festivals ist vermutlich: da geht die Postschnecke ab. Man werfe nur einen Blick auf das Logo. Es wird womöglich Musikenthusiasmus mit der Inselgemächlichkeit kombiniert, man wirbt nämlich nicht mit dem Slogan „Land der Frühaufsteher“, sondern „Muhu, wo die Zeit ruht“. Es gab zwei Gigs. Erst trat die Band Rütmiallikal auf, die alte estnische Gesänge mit elektronischem Schnickschnack verjazzt. Auf jeden Fall war es spannend die Entwicklung zu verfolgen. Hier ein Link zum Reinhören. Das Lied wär auch was für die anstehende Chorwerkstatt…

  • Jaanituli - Johannisfeuer
    Estland

    An Johanni

    Ein Johannifeuer im Küstenstädtchen Haapsalu (Espenhain) ist eine feine Sache. Schon Zaren (z.B. der Schiffbauer Peter) und Künstler (z.B. Nicolas Rerich oder Piotr Tschaikowski) wussten das und ließen sich nebenbei gleich in Heilschlamm packen. Heute heißen sie Präsidenten (z.B. Toomas Hendrik Ilves) oder sind eine Ein-Mann-Band (z.B. SeeMees). Auch wenn Herr Ilves zugegebnermaßen wegen einer Militärparade und eines Benefizkonzertes an die Westküste Estlands gekommen ist. Hervorhebenswert ist übrigens, dass der Präsident kein gebürtiger Este ist – geboren in Stockholm ist er erst in den 90ern zurückgekehrt, nachdem seinen Eltern 1944 die Flucht geglückt war. Das Benefizkonzert fand für Kinder statt, deren Eltern als Soldaten in Afghanistan gestorben sind. Dafür wurde…

  • Estland

    Staub frei!

    Auf dem Weg von Keila nach Haapsalu (77 km) führt einen die Route 17 über Rummu, eine Stadt mit 3400 Einwohnern. Fast die Hälfte sind Strafgefangene, denn eines von 5 Gefängnissen Estlands befindet sich in dem kleinen Ort. Seit 1949 und bis zum Abzug der Sowjets wurde mit Hilfe der Gefangenen großtechnisch Kalk abgebaut. Ein gewaltiger Abraum von 70 Metern Höhe erzählt das eine. Der nun geflutete Tagebau das andere. Und zwar ist durch die Flutung ein perfekter Ort für Taucher entstanden: klarstes Wasser und eine Unmenge an zurückgelassenen Gerätschaften.