Archiv der Kategorie: Frachtschiff

Was bleibt?

Das ist die falsche Frage, sogar dumm, darauf wird nicht geantwortet. Besser ist: wo soll die nächste Frachtschiffreise hingehen?

Eine kleine Wunschliste:
1. Panama-Kanal
2. Hongkong-Australien
3. Osaka-San Francisco, Pazifiküberquerung
4. Afrika-Lateinamerika

Und was für ein Schiff? Je größer, desto stabiler. Gibt es vegetarische Köche???

Achja 🙂

Durchs Kap der Furcht

Wir stehen auf dem Hafengelände und haben ein Problem. Wir kommen nicht auf das Schiff, weil noch Verladearbeiten im Gange sind. 11.30 Uhr hatte uns der Agent als Einschiffungstermin genannt. Nun ist es 11.30 Uhr, aber es gibt keine Möglichkeit, zum Schiff zu kommen und so läuft das Taximeter munter weiter. Einfach auf dem Gelände stehen, dürften wir nicht, erklärt der Taxi-Fahrer. Derweilen können wir uns an der Anblick der Independent Accord gewöhnen, die nun für 11 Tage unser Zuhause sein wird. Mit 145 Metern und nur 1200 TEU Ladekapazität ist sie deutlich kleiner als das Frachtschiff, mit dem wir in die USA gefahren sind. Noch wissen wir nicht mal die Reederei, die das Schiff betreibt. Laut unserem Beförderungsvertrag ist eine Beteiligungsgesellschaft in Hamburg Eigentümer des Schiffs – ein gängiges Steuersparmodell. Außerdem ist das Schiff in Liberia gemeldet und hat Monrovia als Heimathafen.

Als wir an Bord gehen, gilt unser erster Blick der Mannschaftsübersicht: Die Offiziere sind zum größten Teil Kroaten und die Mannschaft kommt einheitlich von den Philippinen. Am Abend gehe wir zur Ausfahrt auf die Brücke. Ein einmaliges Erlebnis, denn es geht über drei Stunden durch ein idyllisches Flussdelta. Ungewöhnlich ist der Lotse an Bord. Die meisten Lotsen nehmen die Passagiere kaum wahr und nicken einem höchsten Mal zum Abschied zu. Dieser jedoch ist geradewegs redseelig und erzählt über Land und Leute. Über die vielen Krokodile zum Beispiel, die sich im Wasser tummeln. Ein Freund habe ein spezielle Lizenz, um Krokodil zu jagen und müsse immer wieder zu Notfalleinsätzen, wenn ein Krokodil sich im Swimmingpool eines Hauses wohler fühle als im Fluss. Wilmington sei tatsächlich ein Piratennest gewesen, man müsse nur mal auf die Karte schauen, um die ganzen Sandbänke zu sehen. Die Wilmington vorgelagerte Insel kennt übrigens wie Hiddensee keinen Autoverkehr, denn der Transport wird mit elektrobetriebenen Golf-Cars abgewickelt. Der Lotse fragt uns, ob wir nicht ein paar deutsche Biere empfehlen könnten? Er tausche mit den Kapitänen nämlich immer mal Bourbon-Whiskey gegen gutes Bier. Wir empfehlen allerlei lokale Biersorten wie Potts, Potsdamer Stange oder Eibauer. Derweilen ziehen Kohorten von Pelikanen über das Schiff hinweg und verschwinden im Sonnenuntergang. Schließlich erreichen wir die letzte Leuchtboje und der Lotse überlässt das Schiff ganz der Obhut des Kapitäns. Wieder liegen 11 Tage vor uns, diesmal ohne Internetverbindung, dafür in Küstennähe mit Satellitenfernsehen.

New York, New York

Ja, wir sind angekommen. Und ja, wir sind mit dem Schiff an der Freiheitsstatue vorbei – so 2 Meilen vorher links eingebogen. Es war eine klasse Überfahrt und wir haben auch keine Brücke gerammt, haben extra die Antennen abgeschraubt. Das Problem bei der ganzen Sache: wir kommen einfach nicht hinterher, die vielen Fotos zu sichten, zu bearbeiten und die Eindrücke ins Web zu meißeln. Also gibt es einfach 2 lieblose Bildchen bis wieder Luft ist 🙂

New York ist in Sichtweite

New York ist in Sichtweite

Wir ziehen den Kopf ein, um durch die Brücke zu passen

Wir ziehen den Kopf ein, um durch die Brücke zu passen

Alle Wetter

Auch wenn die Zeiten kommerzieller Segelschiffe längst vorbei sind,
ist das Wetter auf See immer noch wichtig für die moderne
Schifffahrt. Nicht nur weil ein ordentlicher Sturm schon mal deutlich
längere Fahrzeiten bedeuten kann, schlechtes Wetter erschwert
Navigation und lässt Schiffsaufbauten schneller verrosten. Dabei
verhält sich das Schwanken des Schiffes umgekehrt proportional zum
Appetit von Passagieren und Besatzung. Insbesondere das berüchtigte
Rollen, eine Kombination von Vorwärts- und Rüchwärtsbewegung mit
Rechts- und Linkspendeln, kann sich fatal auf den Gleichgewichtssinn
auswirken. Gut, wenn man eine präzise Wettervorhersage hat, die einem
hilft, solchen Gefahren möglichst frühzeitig aus dem Weg zu gehen. In
Zeiten moderner Kommunikationsmittel kommt der Wetterbericht per
Radiosignal und wird gleich vom Simulationsprogramm des Bordrechners
weiterverarbeitet, um dann für den vorgesehenen Kurs Wellenhöhen,
Windverhältnisse, Temperaturen und Niederschlag zu prognostizieren.
Wobei die Wellenhöhe für uns natürlich die interessanteste Grösse war.

Aber natürlich verlässt man sich nicht auf die Wettermeldungen der
Agenturen, sondern beobachtet selbst das Wetter. Doppelt hält besser,
eine alte Seefahrtsregel. Zu den Routinemessungen an Bord zählen die
Aussentemperatur, der Luftdruck und der Taupunkt. Der Taupunkt wird
mit einem Gerät bestimmt, dass zwei Thermometer enthält: eines, dass
die Lufttemperatur und eines, dass die Verdunstungstemperatur
bestimmt. Am ungewöhnlichsten an diesem Messgerät ist sicherlich sein
Name: Schleuder-Psychrometer. Dabei weist das Schleudern darauf hin,
dass man die beiden Thermometer bei der Messung um einen Griff herum
rotieren lässt.

Die Windgeschwindigkeit wird zwar an Bord mit einem Propeller
gemessen, muss aber um den Fahrtwind korrigiert werden. Daher wir die
Windgeschwindigkeit meist aus der Form der Wellen in grosser
Entfernung vom Schiff geschätzt. Jeder Windstärke der Beauford-Skala
entspricht dabei ein bestimmter Seegang
http://www.segelkurse.com/segeln_docu/segeln_beaufort.htm. Auch
Niederschlag, Sichtverhältnisse, Wolkenbedeckung, Wellenhöhe und
Dünung werden bestimmt. Letzteres heißt auch Schwell und meint die
Wasserbewegung, die nicht direkt durch Wind und Wetter entstanden ist,
also das Standardschwappen der Meeresbadewanne. Ein Schiff ist also
eine kleine, bewegliche Wetterstation. Und es gibt sogar ein Plakette,
mit der sich der Deutsche Wetterdienst für jahrelange meteorologische
Messreihen bedankt.

Kaum ein Eintrag

Nieselregen und Nebel erlauben kaum, den Bug zu sehen. Es gibt keine
großartigen Vorkommnisse an Bord. Abgesehen von der Tatsache, dass
die Wassertemperatur von einer Stunde auf die nächste zwischen 5° und
24° schwankt. Hier mischt sich der kalte Labradorstrom mit dem warmen
Golfstrom. Wäre die Sicht gut, würde man sogar sehen, wie grünes und
blaues Wasser ineinander laufen. Wir erreichen den Südzipfel der
Grand Banks – hier laufen die meisten Routen der Transatlantikschiffe
zusammen. Dieser Großkreis hat sich einfach eingebürgert. Wir treffen
aber nur eines.

Ein anstehender Sicherheitstest muss wegen der schlechten Sicht
verschoben werden.

Essen: Strammer Max, Fischfilet, Spareribs auf polynesische Art.

Backeinsatz in der Kombüse

Heute sind wir mal Schiffskonditoren. Zusammen mit dem Chefingenieur wollen
wir 4 Torten basteln. Zur Kombüse gehören eine große, gut ausgestattete
Küche, Vorratsräume, die über eine Treppe zu erreichen sind und ein
kleinerer Raum mit Boiler, Geschirr und ähnlichen Dingen. Alles ist eine
Nummer größer: Töpfe, Pfannen, Schüsseln, Kellen, Herdplatten, – auch die
Vorräte: das Puddingpulver kommt in Großkartons, Gelatine in einer
Blechdose und die Eier in Paletten. Wir rühren den Teig für den
Tortenboden zusammen, füllen die Formen und ab damit in den Backofen.
Der sieht aus wie beim Italiener – das lässt hoffen.

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Im Kraftwerk

Heute geht es ins Herz des Schiffes, in den Maschinenraum. Wir öffnen die
Tür zum Tween-Deck und betreten die Unterwelt. Riesige Maschinen und
Kessel verteilen sich auf bestimmt fünf weitere Decks, es herrscht ein
Höllenlärm. Wir flüchten zunächst in den Schaltraum, der dem der
Enterprise nicht unähnlich ist. Nur sitzt statt Scotty der 2. Ingenieur am
Pult, schlanker ist er auch.
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