• Japan,  Kansai,  Kioto

    Licht in dunklen Zeiten

    Zur Jahrtausendwende, um die 950er Jahre, wütete in Japan die Pest, Erdbeben suchten das Land heim. Man kam nicht mehr hinterher, die Toten zu bestatten. In Kyoto kamen sie schlicht auf die andere Seite des Kamo-Flusses, wo sie verwesten. Auch Kyoto hatte damals seinen Augustin. Der Mönch Kuya kaufte viele Leichname, um diese würdevoll zu bestatten. Singend, trommelnd und tanzend zog er über Dörfer und Märkte. Er sang “Namu Amida Butsu” – “Ich vertraue auf Buddha” -, tanzte mit Kindern im Kreis und richtete sich an das einfache Volk. Er sprach von einer Religion, die sich nicht nur auf die wohlhabende Elite beschränken sollte. Die Traditon des Nembutsu-Singens hat sich…

  • Japan,  Kansai,  Kioto,  Okinawa

    Kannon, Kanonen und Berlins Goldene Zwanziger

    Lange haben wir nichts von uns hören lassen, denn wir haben uns hinter Bücherstapeln vergraben, tausende unserer Fotos gesichtet und ausgewählt, Texte geschrieben – kurz: unser Buch „Saigoku – Unterwegs in Japan’s westlichen Landen“ ist nun auch als deutsches und englisches Ebook erhältlich. Außerdem wird im Frühjahr ein neues Buch rauskommen „Okinawa – Unterwegs in Japan’s südlichen Landen“. Saigoku läßt uns aber auch nicht los und so haben wir weitere Dinge zum Thema „Kannon, Kanonen und Berlins Goldene Zwanziger“ recherchiert: In den 33 Tempeln des Saigoku-­Pilgerwegs wird Kannon verehrt, eine buddhistische Göttin, die in Berlins Goldenen Zwanzigern übrigens zum Allgemeinwissen gehörte. Als aber ein Wiener Journalist auf einer Pressekonferenz die…

  • Japan,  Kansai

    Von Klingonenschlachten und anderen Prüfungen

    Seit Sonntag ist es auch offiziell: der Frühling ist wieder da. Das liegt nicht an den in diesem Jahr auch in Japan zu hohen Wintertemperaturen, sondern schlicht an einer Festlegung. Auf der Hälfte der Strecke zwischen kalendarischem Winterbeginn (21.12.) und Frühlingsbeginn (21.3.) liegt der Feiertag Setsubun (Zwischen-den-Jahreszeiten). Das war am letzten Sonnabend und seit Sonntag ist nun Frühling. Zu Setsubun gab es ziemlich Action. Wir sind dafür bei wolkenlosem Himmel und ca. 14 Grad windloser Wärme in die alte Hauptstadt Nara gefahren. Dort absolvierten wir ein straffes Event-Programm. Nachdem wir Horatio, einen rumänischen Ingenieur, und Hide, unseren japanischen Veteran und mittellosen Diamant-Physiker, am Bahnhof eingepackt hatten, zwitscherten wir ab in…

  • Japan,  Kansai

    Auf das das Jahr saugut werden möge!

    Der Inoseyama – der Wildschweingipfel – ist wirklich kein imposanter Berg. Er ist mit 553 Metern eigentlich mickrig, bietet auf seinem Gipfel keinerlei Ausblick, der Weg hoch ist herausforderungsarm und strommastengesäumt. Aber da ist sein Name und der katapuliert ihn dieses Jahr in den Popularitätshimmel. Folgerichtig quetschten sich einige Wandertrupps oben auf dem ausichtslosen Kamm, um zu picknicken. Wir waren wieder mit dem Kansai Hiking Club unterwegs und absolvierten so unseren Hatsu-Hike, also die erste Wanderung im Neuen Jahr. Und das ist eine Neujahrstradition. Es gibt noch etliche andere Hatsu-traditionen, wie den ersten Sonnenaufgang anschauen, einen Schrein besuchen, ein heisses Bad nehmen und ganz wichtig, den Neujahrstraum analysieren. Seit irgendein…

  • Japan,  Kansai,  Kioto,  Osaka

    Der Mensch ist gut, da gibt es nichts zu lachen

    Mit dem Karma ist das ja so eine Sache. Man investiert und hofft, dass irgendwann die Rendite positiv ist. Das heisst, das hofft man nur heimlich, weil sonst gibts Minuspunkte. Tja, und was sollen wir sagen – vergesst das Karma und solche Geschichten, denn die Welt – der Mensch – ist gut. Punkt. Diese Woche ist eine herrliche Woche, wir haben nach einem recht arbeitsreichen November und halben Dezember wieder Zeit, mal um uns herum zu blicken. Zwar waren August und Hide-san am Sonntag noch allein mit der lustigen Kansai-Wandertruppe 16 km bergauf und -ab unterwegs, (ich mußte nach Tokyo zwei Vorträge halten), aber schon am Montag fand die Jahresendparty…

  • Japan,  Kansai,  Kioto

    Sommervergnügen, Teil 2

    Letzte Woche gab es einen besonderen Tag im Japanischen Kalender, den sog. Shosho-Tag (23.8.). Es ist der Tag, an dem die schwüle Sommerhitze etwas nachlässt und die Luft angenehm frisch riecht, etwa wie nach einem europäischen Sommergewitter. So fiel es uns jedenfalls am Morgen auf dem Weg ins Büro auf und am Abend lernten wir dann in den NHK-Nachrichten, dass es sich an diesem Tag auch so gehört. Es gibt noch 24 weitere Tage, die sich direkt auf den Wandel der Jahreszeiten beziehen (siehe Liste in Wikipedia ). Neben speziellen Tagen gibt es etliche jahreszeitliche Symbole. Für den Sommer sind das u.a. Grillen, Grillenzirpen, Hortensie, Glühwürmchen, Aal, Wilde Lilie, ….…

  • Japan,  Kansai,  Kioto

    Sommervergnügen, Teil 1

    Das Schlagwort des Sommers ist “Matsuri”. Matsuri bedeutet soviel wie Festival, es gibt kleine und grosse, bekannte und unbekannte. Das Gion-Matsuri in Kyoto ist riesig und sicherlich ein Grund dafür, dass Kyoto nach Mekka (!) die am zweithäufigsten besuchte Stadt der Welt ist. Das Gion-Matsuri findet seit 869 statt. Anlaß war eine Pest und man versuchte durch das Herumtragen von Hellebarden die Götter zu besänftigen. (Zweifel, dass sich Götter durch das Herumfuchteln mit Waffen beeindrucken lassen, sind vermutlich berechtigt.). Mit der Zeit wurden die Lanzen auf Wagen montiert und mit großer Anstrengung durch die Gegend gerollt. Die Wagen waren interessanterweise seit dem Mittelalter mit vorzugsweise europäischen und chinesischen Teppichen dekoriert.…

  • Biwasee,  Japan,  Kansai

    Raststättentourismus

    Auf unserem täglichen Streifzug nach etwas Essbarem im Umkreis von 15 km um unser Zelt am Biwa-See querten wir diesmal die Nationalstraße 161. Dadurch wurden wir auf die Tafel mit dem großen I unter zwei Bäumen aufmerksam. “I” wie Information, also nichts wie hin. Wir landeten auf einer Autobahnraststätte an einer halbfertigen Autobahn. Dieser Ort ist die Aufnahme in einen Reiseführer wert. Warum? Im blitzblanken Erholungsraum mit ca. 10 Riesenflachbildschirmen lief gerade das Spiel Deutschland-Portugal. Neben der großen, sehr gut besuchten Verkaufshalle mit regionalen Leckereien und Andenken befand sich ein Museum über die Herstellung japanischer Fächer. Für 1600 Yen (ca. 12 EUR) konnte man sogar selbst einen “orijinaru” (von engl.…

  • Biwasee,  Japan,  Kansai

    Sommer, Sonne, Biwastrand

    Ab heute beziehen wir unser Zeltlager am Oststrand des Biwako, des grössten Binnensees Japans und etwa 40 km nordöstlich von Kyoto gelegen. Ja, wir sind also gut angekommen in Kyoto und haben uns inzwischen den Sand der Gobi wieder aus den Lungen gehustet und die ersten sentimentalen Kurzbesuche, wie etwa in unserem Lieblings-Kaiseki-Restaurant in Uji, erledigt. Kaiseki-Essen hat übrigens erstmal nichts mit der Kaiserfamilie zu tun. Es ist die Bezeichnung für die gehobene Küche Kyotos und besteht aus vielen kleinen Köstlichkeiten. Mit der Kaiserfamilie hatten wir allerdings auch zu tun. Seine kaiserliche Hoheit, Prinz Sowieso, Bruder des Kronprinzen, war nämlich Ehrengast des 3. Weltkongresses der Ressourcen- und Umweltökonomen. Der Kongress…