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Jouques – wie Gott in Frankreich

Im November ist es in Norwegen grau, dunkel und verregnet. Sitzt man irgendwo zwischen hohen Bergen, dann sieht man manchmal die Sonne für mehrere Monate nicht. Ein guter Grund, Norwegen in dieser Zeit den Rücken zu kehren, am besten Richtung Süden, und zwar ganz weit nach Süden. Gesagt – getan und wir haben gleich das Angenehme mit dem Beruflichen verbunden und einen Besuch an der Baustelle des künftigen ITER-Experiments vereinbart. Dieser Fusionreaktor entsteht gerade in der Provence, im kleinen Dorf St-Paul-lez-Durance. Wir haben also auf gut Glück eine Unterkunft im Dorf Jouques gebucht, auf halbem Weg zwischen der ITER-Gelände und der Großstadt Aix-en-Provence, um Landschaft und Stadtleben gleichzeitig zu haben.
Jouques entpuppte sich als Glücksgriff: ein kleines Dörfchen mit gerade mal 4000 Einwohnern, einigen alten verwinkelten Gassen mit viel Geschichte, einer tollen Umgebung zum Wandern und allem, was dazugehört, wenn man wie Gott in Frankreich leben will. Mehrere Bäckereien, Konditoren und Fleischereien, dazu ein Geschäft mit Regionalwaren und jede Menge Weingüter in nächster Nähe. Und auch unsere Unterkunft toppte alle diese Vorzüge. Ein elsässer Ehepaar hatte beschlossen, näher bei den Kindern zu wohnen und eine alte Olivenölmühle renoviert, nebst einiger zusätzlicher Zimmer zur Vermietung. Mit viel Liebe zum Detail hatte man dem jahrhundertealten Gemäuer frischen Charme verliehen. Frühstück gab es im großen Mühlensaal mit einem langen Tisch an der einen Seite und einer alten Ölpresse an der anderen. Dazu ein großer Kamin, der abends zum gemütlichen Lesen oder Faulenzen einlud. Und ein bisschen Faulenzen haben wir uns in den 10 Tagen Jouques wirklich verdient. Die meisten Tage waren wir wandern. Morgens ging es los, immer in eine andere Himmelsrichtung und erst am späten Nachmittag waren wir wieder da. Danach dann schnell noch einige Köstlichkeiten eingekauft, um der Tag entspannt ausklingen zulassen. Ab und an haben wir aber auch die weitere Umgebung erkundet. So das Städtchen Grasse, weltberühmt für seine Parfumindustrie. Oder die Ockerminen im Norden. Und auf mancher Tour gas es einiges Überraschendes zu sehen: Platanenalleen, tiefe Schluchten, Lavendelfelder, Weinberge, viel Gebüsch, ein verwunschener Zedernwald oder die alte Abtei Silvacane. Da reichten 10 Tage bei weitem nicht, alles zu sehen, was man uns empfohlen hatte, so dass wir wohl wiederkommen müssen.

Der ITER und die Alpen