Archiv für den Monat: April 2003

Ise-Schrein und Tsu in der Mie-Prefektur

Dieser Bericht erzählt u.a. vom Besuch des verschlafenen Dorftempels
unseres Freundes dem Mönch Kato-san, von Ninja-Wissen, von der
Goldenen Woche, von wackligen Hängebrücken und von Karfpenwimpeln.

Aber der Reihe nach. Am letzten Aprilwochenende starteten wir früh
morgens mit Kato-san und fuhren mit seinem Auto quer durch die Berge
in Richtung Ise. Ise liegt idyllisch am Meer. Dort gibt es den
ältesten Schrein Japans, er ist Amaterasu gewidmet. Der Legende nach
geht die Kaiserfamilie auf diese Sonnengöttin zurück. Der Schrein
wird alle 20 Jahre seit seinem ersten Aufbau erneuert und mit ihm die
riesige Brücke, die auf die andere Flussseite führt. Am
eindruckvollsten sind die gigantischen Sicheltannen, die rings um diesen
bedeutenden Nationalschatz wachsen. Wir waren dann noch im
zugehörigen Museum, welches sich als sehr liebevoll geführt
erwies. Als Eintrittskarte bekamen wir eine ausführliche
Broschüre. Weiter ging es dann in Richtung Dorf von Kato-san, wo der
Tempel steht, den er betreut. Seine Großeltern und Eltern waren auch
Mönche und wohnten bereits in diesem Tempel. Seit etwa 120 Jahren
können übrigens Mönche und Nonnen in Japan heiraten. Kato-san ist
allerdings nicht verheiratet und verbringt neben seiner Arbeit die
meiste Zeit mit Go-Spielen, Shogi-Spielen, Sumo-Ringen-Zuschaun und
schlafen. Seine gute Freundin meint, er wäre faul. Ausserdem würde
er nicht genug essen, weil sonst wäre er viel gesünder, so wie sie,
die mit 85 Jahren rumhüpft wie ein junges Reh. Und tatsächlich
knabbert sie ununterbrochen.

Der Tempel ist wunderschön. Er liegt vor
einem mit Bambus bewachsenen Wald, in die andere Richtung glitzern die
frisch gefüllten Reisfelder in der Sonne. Am nächsten Morgen ging es
zurück nach Uji, mit riesigen Umwegen. Wir fuhren nach Ueno in ein
Original-Ninja-Haus, besuchten das dortige Museum, schauten uns eine
Vorführung an und erfuhren äusserst interessante Geheimnisse. Zum
Beispiel wie man unsichtbar wird, wie man über Wasser gehen kann, wie
man Fallen entgeht und wie man Botschaften stielt. Wir lernten auch,
wie man Geheimnisse für sich behält, deshalb verraten wir auch
nichts weiter. Dannach ging es bei schönstem Maiwetter zu den
48-Wasserfällen südöstlich von Nara. Wirklich ein klasse
Wandergebiet. Sogar mit Oeko-Klo. Im Mai blüht eine Blumensorte nach
der anderen. In der Nähe gab es einen Tempel, der berühmt war für
die Azaleen-Blüte. Ja, es gibt IMMER einen Tempel in der Nähe, der
für etwas zeitlich Passendes berühmt ist. Tempel und Softeis des in
der Nähe gelegenen Dorfes sind nur zu empfehlen. Dann ging es an den
alten Kaisergräbern entlang zurück nach Uji. Es war eine
wunderschöne Fahrt.