Wanderweg zum Schreibtisch

Zwei Wochen sind vorbei. Zeit für eine kleine Bilanz über das Arbeiten in Norwegen. Laut Arbeitsvertrag wird empfohlen zwischen Oktober und März von 8 Uhr bis 15.45 Uhr zu arbeiten, im Sommerhalbjahr soll man dafür schon um 15 Uhr die Arbeit Arbeit sein lassen. Anwesenheit im Institut ist zur Kernarbeitszeit zwischen 9 und 14 Uhr vorgeschlagen. Das ist symphatisch. Noch symphatischer ist, dass allgemein darauf vertraut wird, dass jeder sich am besten selbst zu organisieren weiß. Das läßt viel Freiraum, um den Alltag passend zu organisieren.

Erstes Teilstück des Weges zum Schreibtisch

Erstes Teilstück des Weges zum Schreibtisch

Wie auf allen unseren Stationen bisher wollen wir möglichst auf Auto & Co verzichten. Da wir auch noch keine Fahrräder haben, schnüren wir täglich die Wanderschuhe. Der Weg führt zunächst still am Fjord entlang. Dann queren wir eine Brücke, die zwar ein architektonisches Museumsstück von 1958 ist, aber deren Erbauer Fußgänger nicht mitgedacht haben. Also schlängeln wir uns auf der schwankenden Brücke an Autos und LkW vorbei. Im nächsten Jahr soll sie wohl abgerissen und ersetzt werden. Außerdem gibt es Pläne, Sogndal zu untertunneln, um den Überlandverkehr aus der Stadt rauszuhaben. Sogndal war übrigens bis vor ein paar Jahrzehnten nur über den Seeweg zu erreichen. Erst 1986 ist die Fernstraße Nr. 5 eröffnet worden. Sie verbindet die Fjordspitze mit der Küste im Nordwesten.

Die schöne Brücke wird weichen

Die schöne Brücke wird weichen

Von der Brücke aus geht es etwa zehn Minuten durch das kleine Stadtzentrum mit Kino, Kulturhaus, Bibliothek, Einkaufszentrum und ein paar Geschäften. Darunter ein sehr schöner Musikladen und ein Bäcker, der auf das Motto „Brot & Rosen“ setzt. Die Bäckerei bäckt um die Ecke im nächsten Tal und bietet eine große Auswahl. Mit der Verkäuferin kann man nett plauschen und mit der Zeit werden wir uns durch alle Spezialitäten durchfuttern. Kanelsnurr (Zimtschnur oder -schnecke) sowie Bergbrot mit Nüssen und Äpfeln waren schonmal sehr lecker. Heute testen wir das lokale Möhrenbrot.

Bäckerei in Sogndal

Bäckerei in Sogndal

Am Busbahnhof namens „Ski-Station“ verlassen wir die Straße und biegen ab in Richtung Hochschule. Es geht am Fluß Sogndalselvi lang, dessen Wasser wild rauscht, dicke Felsbrocken umströmt und hier und da als Wasserfall hinabstürzt. Eine alte Mühle gibt es auch noch, aber sie ist nicht mehr am Laufen. Da kommen einem glatt Projektideen …

Kleiner Wasserfall bei der Hochschule

Kleiner Wasserfall bei der Hochschule

Die Hochschule besteht aus modernen Gebäuden im nordisch-kühlen Schick. Dazu mehr in weiteren Berichten. Heute gibt es noch einen Blick auf den Arbeitsplatz und einen aus dem Fenster. Die schöne Orchidee ist übrigens ein Willkommensgruß zum Arbeitsbeginn. Das öffnet das Herz. Ebenso aufmerksam ist, dass viele vorbeischauen und einen freundlich begrüßen. Auffallend ist ohnehin, dass die Leute auf der Straße, in den Läden oder auch die Kollegen sehr viel lächeln und das Gefühl vermitteln, dass Zeit etwas ist, das ohne zutun einfach da ist, und das wie frische Luft durch Gebrauch nicht vermindert wird. Das lernen wir gern von den Norwegern.

Arbeitsplatz

Arbeitsplatz

Fürs Protokoll: Der Weg zur Arbeit beträgt 3km. Das wird sich ändern, wenn wir aus unserer zeitweiligen Bleibe demnächst umziehen.

Blick aus dem Bürofenster

Blick aus dem Bürofenster

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