Sex sells: POPOs in San Francisco

Eines der best gehüteten Geheimnisse von San Franciscos sind seine POPOS. Ja, richtig gelesen. Dabei sind die Eigentümer, meist Grossbanken und Finanzkonzerne, verpflichtet, auf die POPOS hinzuweisen. Doch an vielen der Glaspaläste zeigt gerade mal eine kleine Messingtafel an, dass es hier privately owned public open spaces (POPOS), also öffentliche Räume im Privatbesitz, gibt. 68 von ihnen sind über den ganzen Finanzdistrikt verteilt, also genau dort, wo man hoch und noch höher hinaus will. Obwohl diese Institute sich manchmal karitativ geben, haben sie diese Oasen für dich und mich nicht freiwillig angelegt, sondern sind dazu durch Bauverordnung gezwungen worden.

„Something new, something old, and something public“, (etwas neues, etwas altes und etwas für die Öffentlichkeit) so werden die Vorschriften zum Bau von Hochhäusern in der Innenstadt San Franciscos gern umrissen. Mit dem Neuen sind die Bauherren natürlich schnell bei der Hand. Im Erhalten alter Bausubstanz beschränkt man sich gern auf ein kleines Stück Fassade vom Vorgängerbau. Nur beim Nutzen für die Öffentlichkeit gibt es strenge Vorgaben: 1 qm öffentlicher Fläche ist für 50 qm Nutzfläche zu schaffen. Meist wird der POPO als Grünfläche angelegt, manchmal mit Bänken, manchmal mit Bistrostühlen und kleiner Cafe-Ecke, manchmal mit ständig wechselnder Bepfanzung oder auch völlig vernachlässig mit immergrünen
Bodendeckern. Und zu den Öffnungszeiten der Banken hat dann jeder das Recht, diese POPOS auch zu nutzen. Wenn man sie denn findet, denn bei einigen, wie dem Gebäude 343 Sansome St., muss man in den 15 Stock zur Sonnenterrasse hoch.

Da ist es gut, wenn man eine kundige Führung hat. Und so haben wir uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen, und eine Stadtführung gemacht, die zwei Stunden entlang kleiner Gassen durch das Gewirr der Hochhäuser führte und neben den POPOS natürlich auf viel über Banken, Architektur und Geschichte
San Franciscos erzählte. Es war eine fantastische Stadtführung. Man sieht nicht nur schön bepflanzte Gärten sondern auch eine Reihe prachtvoller Kathedralen des Geldes. Nebenbei gelangt man dann auch mal in die Keller einiger Banken, wo dicke Tresortüren zu bestaunen sind.

Eines dieser Prachtbauten ist das Hunter-Dulin-Haus, auch als 111 Sutter Street bekannt. Architektonisch eine Mischung aus französischen Schloss und Hochhaus mit Portalen wie bei gotischen Kathedralen, wurde es vom gleichen Architektenteam entworfen, die auch das Waldorf-Astoria in New York schufen. Bemalte Decken, Aufzuguhren, aufwendig gestaltete Briefkästen und eine grosse in den Fussboden eingelassene Uhr zählen zu den Schmuckstücken der Inneneinrichtung. Vergoldene Eichhörnchen in der Fassadengestaltung wollen einem sagen: Wenn du fleissig sparst, sorgst du vor für schlechte Zeiten. Das Gebäude nach übrigens neben einer monetären Geschichte auch drei weitere historische Nutzer: das Rundfunkstudio von NBC in den 1920iger, das West-Hauptquartier des FBI-Chefs J. Edgar Hoover und als Filmkulisse fÜr das Büro von Sam Spade in „Der Malteser Falke“.

Natürlich gibt es auch einige interessante Geschichten zu den Bankiers der Stadt. Wir erfahren, dass A.P. Giannini es direkt nach den grossen Erdbeben 1906 geschafft haben soll, den Inhalt seines Tresors aus der Stadt zu schaffen. Bei dem dreitätigen Feuer, dass die Stadt nach dem Beben größtenteils
zerstörte, wurden viele Tresortüren dann dermaßen verzogen, dass die Banken nicht mehr an ihr Geld kamen. Nur Herr Giannini konnte dringend benötigte Kredite gewähren. Die Einlagen bestanden seinerzeit übrigens noch aus Goldbarren. Erst nach 1913 setzte sich Papiergeld zunehmend durch. Für Giannini hat es sich gelohnt, seine Bank of Italy entwickelte sich prächtig, wurde später in Bank of America umbenannt und ist heute eines der führenden Bankhäuser der USA.

Sehenswert ist ein POPO zu Füssen der Transamerica-Pyramide, wo mal eine ortstypischen Hain aus Redwood-Bäumen angepflanzt hat. Das Sternenmädchen im Palmengarten des Citigroup-Hauses stammt von der Panama Pacific Ausstellung 1915. Vieles muss man mit eigenen Augen sich ansehen, den Banken sind notorisch kleinlich, wenn es ums Fotografieren geht. Wer bei seinem nächsten Besuch in San Francisco selbst einen Rundgang machem möchte, hier www.spur.org/files/u7/POPOSGuide.pdf findet sich ein Faltblatt mit Karte. Oder vielleicht gleich die Stadtführung machen. Es war sehr unterhaltsam.

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