Im Land des goldenen, öffentlichen Klos

Der Kunde ist “Kyaku-sama” – der ehrenwehrte. Das normale “san” als Anhang an den Namen in der Anrede wird durch das höflichere “sama” ersetzt. Kyakusama ist man aber nicht nur beim Einkauf, dem Fahren mit der Bahn usw. sondern auch, wenn man als Gast eine Familie zu Hause besucht. Höflichkeit wird groß geschrieben und das vor allem im Alltag; das freundliche “Konnicha wa” (Guten Tag), das laut gerufene “Irrasshaimase” (Herzlich Willkommen), wenn man einen Laden oder ein Restaurant betritt, die angedeutete Verbeugung des Schaffners, das sommerliche “Atsui desu ne!” (Heiß ist es!), was oft den Anfang zu einem kurzen Plausch bietet. Für uns hat japanische Höflichkeit keinen Gewöhnungseffekt.
Schon weil man immer wieder Bauklötzer staunt, was man sich alles einfallen lassen kann. Ein Beispiel. “Maximum Zizi” (mit französischem Akzent zu sprechen, sollte aber besser nicht übersetzt werden) ist eine Konditor-Kette. Auf dem Weg zu unserem Gästezimmer liefen wir mehrmals am Tag an einem dieser Geschäfte vorbei, sehr bemüht, nicht am in der Auslage präsentierten süßen Gaumenschmaus kleben zu bleiben. Nach ein paar Tagen gaben wir jedoch auf und kauften uns drei kleine Sommerdesserts: ein Mango-Vanillecreme Dessert mit Kokosplättchen, einen Orange-Mango-Joghurt und ein Erdbeer-Soufflet. Alles wurde hübsch eingepackt und – so wie gewünscht – mit Kühleis für 20 min versehen. Wir bezahlten umgerechnet 6 EUR und erwarteten, die Desserts über die Einkaufstheke gereicht zu bekommen. Statt dessen begleitete die Dame uns bis zum Eingang des Geschäftes und überreichte uns erst dort die Leckereien. Eben Maximum Zizi! Das wird ab nun für uns ein Synonym für “verwöhnt werden” – natürlich mit Augenzwinkern sein.
Kurios waren die Entdeckung eines vergoldeten Getränkeautomaten in einem öffentlichen Klo in Kanazawa oder der Ashi-Onsen (Fussbad im Dorfzentrum mit Thermalwasser).

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