Der Mensch ist gut, da gibt es nichts zu lachen

Mit dem Karma ist das ja so eine Sache. Man investiert und hofft, dass irgendwann die Rendite positiv ist. Das heisst, das hofft man nur heimlich, weil sonst gibts Minuspunkte. Tja, und was sollen wir sagen – vergesst das Karma und solche Geschichten, denn die Welt – der Mensch – ist gut. Punkt.
Diese Woche ist eine herrliche Woche, wir haben nach einem recht arbeitsreichen November und halben Dezember wieder Zeit, mal um uns herum zu blicken. Zwar waren August und Hide-san am Sonntag noch allein mit der lustigen Kansai-Wandertruppe 16 km bergauf und -ab unterwegs, (ich mußte nach Tokyo zwei Vorträge halten), aber schon am Montag fand die Jahresendparty (Bonenkai) unserer Physikergruppe statt. Es hat ausgezeichnet geschmeckt und war ein wirklich unterhaltsamer Abend. Damit jeder mal mit jedem spricht, wurden fließend die Sitzplätze gewechselt. Im Anschluß sind wir noch Karaoke-singen gegangen, das heißt ich habe wegen meiner Erkältung eher gekrächzt. Aber wie heisst es doch? Debye sein ist alles. (Für die Nicht-Physiker: Debye ist Nobelpreisträger und der Klang seines Namens sorgt für die insider-Veränderung des olympischen Mottos.)
Mittwoch sind wir nach Kyoto und Donnerstag nach Osaka, um Stollen und Glühwein für Freitag zu besorgen. Wir wollen Nachmittags eine Runde ausgeben und ein paar Bilder vom winterlichen Zittau zeigen. Man schluckt schon bei den Preisen. Eine Flasche Glühwein vom deutschen Weihnachtsmarkt in Osaka kostet 15 Euro. Wir brauchen drei. Der Stollen kostet so um die 10 Euro für 500 g. Aber wir agieren nach dem Motto: Augen zu und durch.
Am Kamo-Fluß in Kyoto fiel uns dann ein älteres Ehepaar auf (siehe Foto), das ein kleines Vögelchen in den Händen hielt. Es hatte sich kompliziert in einen Bindfaden verfangen und konnte sich nicht mehr selbst befreien. Mit unserem schweizer Taschenmesser und abgestimmt japanisch-deutscher Zusammenarbeit operierten wir den Faden weg und das Vögelchen stürzte sich wieder übermütig, vielleicht noch etwas erschrocken, in die Höhe. Das war die Pioniertat vom Mittwoch.
Auf dem Heimweg vom Weihnachtsmarkt haben wir beschlossen beim Inder zu stoppen, wir hatten versprochen nochmal vorbeizukommen. Und das kam so. Auf dem Campus in Suita gibt es neben der Mensa eine kleine Bude, wo Inder Mittags Nan (Fladen) und Curry verkaufen. Ab und an, wenn es in der Mensa zu voll ist, gehen wir dort essen. Irgendwann im Oktober trafen wir dann dort auch den Besitzer des kleinen Restaurants, welches sich in der Nähe des Toyonaka-Campus befindet. Die Welt ist klein und es gibt immer Gelegenheit für einen kleinen Plausch. So auch gestern abend im Restaurant dann. Ein gut gelaunter Malaye, Großvater, stolzer Vater und Fussballspieler, war grad zu Besuch. Und wenn man schonmal da ist, kann man auch gleich helfen – und sich ein bisschen mit den Gästen unterhalten. Das geht, denn “man muß einfach nur ein wenig Englisch lernen und dann kann man heutzutage auf der ganzen Welt Gesprächspartner finden. Ist das nicht herrlich?” Der fröhliche Malaye kommt seit ein paar Jahren regelmäßig für 6 Monate nach Japan – solange gilt das Toursitenvisum – um auf seine Enkel aufzupassen, während seine Tochter an ihrer Doktorarbeit in Rechtswissenschaften schreibt. Habt ihr gehört, wie es grad gewaltig gescheppert hat? Nicht erschrecken, das waren nur ein paar Vorurteile, die wieder einen Sprung bekommen haben. Das Essen war erneut klasse: Kokosnuss-Curry, Dal, Knoblauch-Nan, Mango-Lassie und zum Schluß Gewürztee auf Kosten des Hauses. Und Kambodscha ist noch ein Stück näher gerückt.
Später gab es dann Musik. Sie kam aus einer kitschigen Weihnachtskarte, wo man draufdrücken muß. Eine Weihnachtskarte für Mr. August und Mrs. Jana von den benghalischen Köchen. Und der Moment war tatsächlich so still, wie der Text des Liedes.
Heute gibts die kleine Weihnachtsfeier, morgen gehen wir mit Satoshi, Junko und ihren zwei Kindern nochmal auf den Weihnachtsmarkt, Sonntag hat Hide Geburstag und Montag fangen wir an, “Indianer-Jones und das Grab des Kaisers” zu spielen. Das wird nämlich unser Weihnachtsgeschenk an uns. Frohe Weihnachten Euch allen!

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