Barcelona bei Nacht

Neun dreiviertel Stunden braucht man nur von Frankfurt nach Barcelona per Zug: umsteigen in Paris, Flamingos zuwinken in Narbonne, auf die andere Spurbreite wechseln in Figueras und schon ist man im Hauptbahnhof der Hauptstadt von Katolonien. Mein Katalonien! George Orwell läßt grüßen. Doch es kommt erstens anders und zweitens als man denkt. Wir verbringen die Nacht auf der Polizeiwache in einem Vorort, der sich gerade in ein Geschäftsviertel umbaut. Denn an der Rezpetion beim Anmelden im Viersterne-Hotel sind plötzlich nur noch drei von vier Rucksäcken da. Es fehlt der von National Geographic. Der mit der neuen Kamera, deren Wert sich immerhin noch in Zahlen ausdrücken lässt. Schmerzhafter ist der Verlust der Fahrerlaubnis, des Arbeitslaptops und meiner Stiftefedertasche mit meinem geliebten Füllfederhalter und den Aquarellmalstiften. Die vielen Bücher, die wir lesen wollten, sind auch weg. Reisen mit Erich Kästner – der Mensch ist gut, da gibt es nichts zu lachen! – und die Früchte des Zorns, zum Beispiel. Doch wem nützt der? Hoffen wir, dass die Dinge jetzt wenigstens weiter verwendet und nicht weg geschmissen werden. Schauen wir mal, was wir wie ersetzen können. Jetzt brauchen wir erstmal einen Kaffee und was zwischen die Zähne. So long.

Nachtrag zu Montag:

  • Wort des Tages: Druckfreigabe – unser Buch wird gedruckt während wir unterwegs sind.
  • Zahl des Tages: 111 – Nummer des Sitzplatzes im Zug, den ein Reisender trotz Reservierung nicht in Anspruch nehmen wollte, weil wir so „verträumt“ in den Sesseln fleezten.

Der Polizeireport geht auf Reisen

3 Gedanken zu „Barcelona bei Nacht

  1. Sylvie

    Ich habe gerade ein Déjà-Vu: Ich bin vor 10 Jahren mit einer Freundin mit dem Zug nach Spanien gefahren und und ihr wurde bei der Hinreise der Rucksack gestohlen. Bei unserer ersten Station in Barcelona haben wir also einges an Zeit bei Polizei und Konsulat verbracht… Wünsche Euch trotzdem viel Spaß (und hoffentlich nicht allzuviel Rennerei)!

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  2. Jana Beitragsautor

    Na, es ist wie es ist. In Japan hatten wir mal die Kamera in einem Auto vergessen, dass uns n Stück mitgenommen hatte. Der Herr ist dannach alle Hotels abgeklappert, bis er rausgefunden hat, wo wir übernachtet hatten und dort hat er die Adresse erfragt. Wir haben dann später ein Paket bekommen mit Kamera und Keksen, die seine Frau extra gebacken hatte. Außerdem einen herzlichen Brief. Insofern warten wir jetzt einfach mal auf ein Paket, so im Sommer. 🙂

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