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Intermezzo pour Jenny

… mit einem kleinen Ausflug aus dem Alltag, rein in das bunte Gewimmel des Festes der Jahrhunderte, dem Jidai-Matsuri.
Vor eintausendzweihundertzwölf Jahren, nach etlichen irdischen – buddhistische Scharmützel in der Hauptstadt Nara – und überirrdischen – Erdbeben und Ermordung des Architekten in der Interimshauptstadt – Zaunpfahlwinken, fand Kaiser Kammu zu seiner idealen Ebene und gründete die neue Hauptstadt Kyoto. Die bösen, feng-shuistischen Geister des Nordens wurden durch eine Bergkette ferngehalten und um ganz sicher zu gehen, errichtete man noch ein paar Bergtempel; so auch den Tempel Enryaku auf dem Berg Hiei (Teil des Weltkulturerbes). Im Osten und Westen strömte klares Wasser in die Ebene, die sich weit nach Süden erstreckte. So oder so ähnlich begann das Zeitalter des Friedens (Heian-Jidai), das über vier Jahrhunderte währte.
Mehr als tausend Jahre später (1895) wurde den Bewohnern Kyotos ein Butterbrot gegönnt und der Schrein Heian errichtet, der an die Gründung Kyotos erinnern und den Verlust des Hauptstadtstatusses etwas kompensieren sollte. Hauptstadt war ja seit 1868 Tokyo. Jedes Jahr zum 22. Oktober, wenn sich der Geburtstag nähert und der Schmerz am grössten ist, wird das Jidai-Matsuri gefeiert. Dann wälzt sich ein Koloss von ca. 3000 Kostümierten zeitlich durch die Jahrhunderte und räumlich vom Kaiserpalast bis hin zum Heian-Schrein. Das Spektakel zieht ca. 1 Million Touristen an und konfrontiert die Hotelbranche mit ernsthaften logistischen Problemen. Aber was kann es schon für Schwierigkeiten an einem sonnigen Tag mit gutgelaunten Menschen geben?
Liste der Fotos mit versuchter Zuordnung zu den historischen Personen:

1. Kudara Omyoshin: Chefin (rechts) der kaiserlichen Hausverwaltung am Hof vom Gründungskaiser Kammu mit einer Mitarbeiterin (links).

2. Tomoe-Gozen: legendäre Samurai aus den Genpei-Kriegen (um 1180), nachzulesen auch in den “Erzählungen von den Heike“. Es heisst mit ihrem Bogen und Schwert konnte sie auch Götter und Dämonen herausfordern.

3. Unbekannter Bogenschütze

4. Mitstreiter aus dem Trupp um Kusanoki Masahige: aus der Zeit der streitenden Reiche (Sengoku) im 16. Jahrhundert

5. Frauen aus Katsura (Katuramei): kamen aus dem Westen Kyotos, um Süsswasserfisch zu verkaufen. Spielen auch eine kollektive Rolle im Manga “Prinzessin Mononoke”.

6. Oda Nobunaga: einer der drei groß Einiger des Landes. Errang Vormacht durch die Einführung von Gewehren. Läutete das Ende der Zeit der streitenden Reiche (um 1570) ein.

7. Gefolgsleute von Nobunaga: auf den Gewändern sieht man Familienwappen, die die Klanzugehöhrigkeit definieren.

8. Samurai der Edo-Zeit: Kriegerfähigkeiten waren wegen der ruhigen Zeiten weniger gefordert, vielmehr qualifizierte Business-Administration-Abschlüsse.

9. Unbekannte Hofdame zeitloser Schöhnheit: wir sind uns mit der Einordnung unsicher, die Haartracht lässt aber frühe Heian-Zeit vermuten.