Kein Tag wie der andere

Bekanntlich hat ein Tag 24 h. Bei uns wird es nun jeden Tag eine mehr,
denn in New York hinkt man gegen Greenwich um 5, im Sommer um 4 Stunden,
hinterher. Wo das Mehr an Zeit bleibt, können wir aber nicht sagen, denn
unser Tag ist komplett ausgebucht.

Wir stehen um 7 – 7.30 h auf,gehen die
Treppen runter von E nach A, frühstücken bis um 8 h, gehen die Treppen
rauf bis zum NAV-Deck, zur Brücke. Dort sehen wir nach Position, Wetter,
Radar und lesen die neuesten Nachrichten – die BB – die Bild an Bord.
So rümpfen die Seeleute jedenfalls mit der Nase. Wir schwatzen eine Runde
mit der Wache und lassen uns dies und das erklären.
Die erste Schicht auf der Brücke dauert von 8 – 12 h,
solche 4-Stunden-Schichten sind über den ganzen Tag verteilt.
Gegen 9 Uhr, wenn wir uns nicht mit der Besatzung auf einen
Lehrrundgang verabredet haben, arbeiten wir unser eigenes Programm ab:
Tagebuch schreiben und Text in den Email-Computer übertragen,
Dokumentationen und Filme wollen geschaut, Bücher und Papiere gelesen
und am Computer gebastelt werden. Die ersten Tage haben wir auch die ein
oder andere Stunde Schlaf nachgeholt. Gegen 10 Uhr gibt es im Maschinenraum
oder auf der Brücke Kaffee – bloß nichts verpassen.
11 h geht es wieder auf die Brücke, um 12 h tigern wir die Treppen
zur Messe runter. Mittagessen.

Nach dem Mittag spulen wir eine ähnliches Porgramm ab. Wir kommen kaum
mit allen Tagesaufgaben hinterher, da ist schon wieder Abendbrot dran. Den
3-Uhr-Tee zwischendrin haben wir da nebenbei hinter uns gebracht. Am Abend
wird dann eine Runde Tischtennis gespielt. Eigentlich wollten wir noch mehr
Sport machen, doch bislang haben wir uns auf Trepp auf, Trepp ab
beschränkt. Gegen 21 h geht es wieder hoch auf die Brücke – scheinen die
Sterne, damit wir beobachten können? Es ist schon Halbzeit im Atlantik.
Nur noch 5 Tage, dann fahren wir an der Freiheitsstatue vorbei.

Abens trifft man sich mal mit denen oder denen, Seeleute haben viel zu
schnaken. Geschichten über vermisste Postbojen etwa oder von der Zeit, als
die meisten Frachtschiffe in einer Bucht vor Bali oder Singapur auf Reede
lagen. Die Finanzkrise hatte sie für ein paar Monate festgenagelt.
Damals lagen in Rostock auch vier Schiffe. Was soll man machen?
Die Alternative wäre, die Schiffe zu verschrotten. Denn einfach wegparken,
beleidigt Mantel und Maschinen tödlich. Wer rastet, der rostet – man muss
sich immer kümmern. Doch wie schlägt man die Zeit auf Reede tot?
Man verbrüdert sich, veranstaltet Fußball- und Skatturniere, geht an Land
und baut auch mal Wasserleitungen für die Hütten an Land. Seefahrer
sind hilfsbereit.

Gegen Mitternacht fallen wir dann in die Koje. Das Hörbuch mit
Seefahrtsgeschichten, komische und tragische, aber alle wahr,
nehmen wir mit in unsere Träume. Zwei Decks unter uns träumt noch jemand.
Er träumt von Warnemünde, von Strand und von der Mole. Marleen liest
vielleicht in einem Buch, schaut immer mal hoch, die Sandburg wächst und
Klein-Marit quietscht vor Freude. Hauke läßt herzlich grüßen.

Essen: Haferflocken, Cordon Bleu und Brokkoli und Melone, Kaffee,
Hähnchenschlegel

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