Backeinsatz in der Kombüse

Heute sind wir mal Schiffskonditoren. Zusammen mit dem Chefingenieur wollen
wir 4 Torten basteln. Zur Kombüse gehören eine große, gut ausgestattete
Küche, Vorratsräume, die über eine Treppe zu erreichen sind und ein
kleinerer Raum mit Boiler, Geschirr und ähnlichen Dingen. Alles ist eine
Nummer größer: Töpfe, Pfannen, Schüsseln, Kellen, Herdplatten, – auch die
Vorräte: das Puddingpulver kommt in Großkartons, Gelatine in einer
Blechdose und die Eier in Paletten. Wir rühren den Teig für den
Tortenboden zusammen, füllen die Formen und ab damit in den Backofen.
Der sieht aus wie beim Italiener – das lässt hoffen.

Dann suchen wir uns Obst für den Belag raus, wir entscheiden uns für
gemischtes Obst – Schattenmorellen, Erdbeeren, Papaya, Ananas,
Pfirsich und Melone. Natürlich aus der Dose.
Während das Obst abtropft, kochen wir den Pudding.
Einmal Schoko und einmal Vanille, wenn er kalt ist, wird er noch mit
Butter geschmeidig gerührt. Der Teig im Backofen geht vorschriftsmäßig
auf. Es duftet nach frischem Rührteig, er ist schön gleichmäßig gebacken
und hat eine gesunde Farbe. Jetzt muss erstmal alles kühlen, Zeit für einen
Kaffeeschwatz bei den Maschinisten. Das Gespräch frisst sich beim
Klimawandel fest. Einer der Leute war für eine Zeit an Bord des
Forschungsschiffes Polarstern. Die war unterwegs, um Eisbohrkerne zu
sammeln und zu untersuchen. Daraus lässt sich das Klima vergangener
Epochen ablesen. Es wäre schon sehr spannend, mal auf einem solchen
Schiff als Passagier, noch besser als Wissenschaftler, mitzufahren.
Wir machen einen Eintrag in der to-do-Liste.

Zurück in der Küche geht es ans Eingemachte. Die Tortenböden lösen sich
schon mal aus der Form. Der Pudding lässt sich mit Butter verfeinert, gut
darauf versteichen und die Kostproben überzeugen. Obst rauf und fertig ist
das Ganze. Natürlich nicht – Erdbeere für Erdbeere, Kirsche für Kirsche
ordnen wir alles geometrisch an, die Pfirsiche in schmalen Mondsicheln
geschnitten und aufgefächert. Die Gelatine entpuppt sich allerdings als
Problem. Alle Angaben sind in unmöglichen Einheiten: man nehme 2 1/2
Unzen und verrühre sie mit 1 Pint Wasser, das Ganze soll dann 4 Quart
Flüssigkeit festigen. Der erste Versuch missrät, er ist sozusagen zum
Weglaufen. Also fangen wir zu experimentieren an. Langsam die Dosis
erhöhen, Gefrierschranktest – nach einer Weile haben wir es raus. Viel
hilft viel, ist die Lösung. Um 3 Uhr verspachteln wir dann gemeinsam
das Ergebnis. Die Mühe hat sich gelohnt.

Man kann gar nicht soviel Tischtennis spielen, wie man müßte, um den
schiffstäglichen Kalorienüberschuss auszugleichen –
Fettleibigkeit sollte als Berufskrankheit unter Seeleuten
anerkannt werden. Das Problem ist zumindest erkannt.
In der Zeitschrift Seeschifffahrt lesen wir, dass es
inzwischen Weiterbildungen für Köche gibt, um kalorienbewusster,
vitaminreicher und mit mehr Abwechslung unter Bordbedingungen
zu kochen. Schwierig ist, allen Nationen auf dem Schiff gerecht zu
werden, denn gutes Essen kann Heimweh dämpfen. Jeden Tag eine
ähnliche Küchenkultur hängt auch dem Anspruchslosesten bald zum Halse
raus. Jedenfalls sehnen wir uns langsam nach asiatischem Essen, gern
auch fleischlos. Joghurt ohne Geschmacksverstärker wäre auch toll.
Ja, und wenn wir schon dabei sind: richtige Milch. H-Milch schmeckt
selbst im Teebeutel-Tee grauenvoll.

Essen: Eier auf Wunsch, Gemüse-Suppe und Ente mit Orangensoße,
Torte, Pizza.

Backeinsatz in der Kombüse

Torte

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