Alle Wetter

Auch wenn die Zeiten kommerzieller Segelschiffe längst vorbei sind,
ist das Wetter auf See immer noch wichtig für die moderne
Schifffahrt. Nicht nur weil ein ordentlicher Sturm schon mal deutlich
längere Fahrzeiten bedeuten kann, schlechtes Wetter erschwert
Navigation und lässt Schiffsaufbauten schneller verrosten. Dabei
verhält sich das Schwanken des Schiffes umgekehrt proportional zum
Appetit von Passagieren und Besatzung. Insbesondere das berüchtigte
Rollen, eine Kombination von Vorwärts- und Rüchwärtsbewegung mit
Rechts- und Linkspendeln, kann sich fatal auf den Gleichgewichtssinn
auswirken. Gut, wenn man eine präzise Wettervorhersage hat, die einem
hilft, solchen Gefahren möglichst frühzeitig aus dem Weg zu gehen. In
Zeiten moderner Kommunikationsmittel kommt der Wetterbericht per
Radiosignal und wird gleich vom Simulationsprogramm des Bordrechners
weiterverarbeitet, um dann für den vorgesehenen Kurs Wellenhöhen,
Windverhältnisse, Temperaturen und Niederschlag zu prognostizieren.
Wobei die Wellenhöhe für uns natürlich die interessanteste Grösse war.

Aber natürlich verlässt man sich nicht auf die Wettermeldungen der
Agenturen, sondern beobachtet selbst das Wetter. Doppelt hält besser,
eine alte Seefahrtsregel. Zu den Routinemessungen an Bord zählen die
Aussentemperatur, der Luftdruck und der Taupunkt. Der Taupunkt wird
mit einem Gerät bestimmt, dass zwei Thermometer enthält: eines, dass
die Lufttemperatur und eines, dass die Verdunstungstemperatur
bestimmt. Am ungewöhnlichsten an diesem Messgerät ist sicherlich sein
Name: Schleuder-Psychrometer. Dabei weist das Schleudern darauf hin,
dass man die beiden Thermometer bei der Messung um einen Griff herum
rotieren lässt.

Die Windgeschwindigkeit wird zwar an Bord mit einem Propeller
gemessen, muss aber um den Fahrtwind korrigiert werden. Daher wir die
Windgeschwindigkeit meist aus der Form der Wellen in grosser
Entfernung vom Schiff geschätzt. Jeder Windstärke der Beauford-Skala
entspricht dabei ein bestimmter Seegang
http://www.segelkurse.com/segeln_docu/segeln_beaufort.htm. Auch
Niederschlag, Sichtverhältnisse, Wolkenbedeckung, Wellenhöhe und
Dünung werden bestimmt. Letzteres heißt auch Schwell und meint die
Wasserbewegung, die nicht direkt durch Wind und Wetter entstanden ist,
also das Standardschwappen der Meeresbadewanne. Ein Schiff ist also
eine kleine, bewegliche Wetterstation. Und es gibt sogar ein Plakette,
mit der sich der Deutsche Wetterdienst für jahrelange meteorologische
Messreihen bedankt.

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