Auf den Hund gekommen

Wir ziehen früh am Morgen los, die Fahrkarten für den Greyhound nach San Francisco abzuholen. Die Buchung per Internet spart 20 Dollar, aber man muss eine Stunde vorher losrotteln. Das Stadtzentrum von Fresno wirkt bemüht: es gibt eine Fussgängerpassage, etwas Kunst und viele noch geschlossene Geschäfte. Wir kommen an der Einwanderungsbehörde vorbei, die Leute müssen bei Wind und Wetter anstehen, um ins gelobte Land zu kommen. Dabei scheint der Lack ab. Oder sind wir inzwischen von Anblick ostdeutscher Schnuckelstädtchen zu doll gepampert? Tatsächlich sehen wir viele leere Geschäfte, Leute ohne Dach über dem Kopf – wir werden oft auf Kleingeld angesprochen.

Unserer Beobachtung nach teilen sich die USA mindesten ins 4 Klassen: Leute, die sich alles leisten können, Leute, die zur relative gut gesättigten Mittelschicht gehören und niemals Greyhound fahren würden, Leute, die Greyhound fahren müssen und Leute, die selbst den Greyhound nicht bezahlen können. Nicht, dass das sehr preisgünstig wäre – für die gesamte Strecke von Barstow nach San Franciso berappen wir etwas mehr als 100 Dollar. Wenn man durch das Land fährt, fallen noch mehr Dinge auf. Gemessen an der Größe des Landes, sind die Wohnhäuser rechts und links der Autobahn eng aneinander gebaut. Die zugehörigen Minigärten bergen Mengen an Gerümpel: alte Reifen, verrostete Maschinenteile und der gleichen. Ehrlich gesagt, sieht es in Sibirien entlang der Transsib auch nicht anders aus. Nur, dass man es dort als normal empfindet.

Als wir die Berge am anderen Ende des San-Joaquin-Tals erreichen, wird die Gegend wieder wohlhabender – wir kommen in die Vororte von San Francisco. Hier liegen Silicon Valley und Stanford, hier gibt es Mehrwert. San Francisco begrüßt uns im Sonnenschein. Wir wandern 10 Straßenblöcke bis zu unserem umweltfreundlichen Gut-Hotel mit Fahrradverleih zum Kohlendioxidausgleich. Wer sagt eigentlich, dass Japan das Land der Gegensätze sei?

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