Unruhiger Geist

In Naha erzählt man sich folgende Geistersage. Einmal kam eine junge Frau in einen Laden, in dem es Süßigkeiten zu kaufen gab. Sie trug ihr langes Haar offen und war ungewöhnlich blass. Die Frau erwarb ein paar gebackene Naschereien, die mit einer Erdnusspaste gefüllt waren, und dem Verkäufer war es recht.

Gebackene Küchlein mit Erdnusspaste gefüllt

Gebackene Küchlein mit Erdnusspaste gefüllt

Am Abend, als er aber sein Geld zählte, fiel ihm auf, dass die Frau mit Totengeld bezahlt hatte. Mit dem Geld also, das man üblicherweise an Gräbern opferte. Am nächsten Tag kam sie erneut und bat abermals um Süßigkeiten. Nun achtete der Verkäufer auf das, was er im Austausch für das Gebäck bekam. Es war echtes Geld und alles schien in Ordnung. Bei Ladenschluss jedoch fand sich erneut Papiergeld in der Kasse. Da wunderte er sich doch sehr. Am dritten Tag folgte der Mann ihr daher, nachdem sie das Geschäft verlassen hatte. Sie lief die Straße hinunter und bog um ein Haus.

Gasse mit alten Hütten in Naha

Gasse mit alten Hütten in Naha

Der Mann eilte hinterher, schaute um die Ecke und sah gerade noch, wie sie in einem Grab verschwand. Aufgeregt wandte er sich an die Nachbarn, denen das Grab gehörte. Diese erzählten, dass sie erst kürzlich eine tote Schwangere auf der Straße gefunden und im eigenen Familiengrab bestattet hatten. Nachbar und Verkäufer beschlossen, das Grab zu öffnen und in die Kammer zu sehen. Dort fanden sie die Tote und der Verkäufer erkannte sie als die Frau, die nach Süßigkeiten gefragt hatte. Doch der Schrecken war groß, denn ein kleines, quicklebendiges Baby lag zu Füßen der Verstorbenen und aß von den Süßigkeiten. Als die beiden das Kind an sich nahmen, hörten sie plötzlich ein Seufzen und der Geist der Frau erschien. Sie bedankte sich für die Rettung ihres Kindes und verschwand für immer ins Reich der Toten.

Ort der Sage: das Grab hinter diesem Haus.

Ort der Sage: das Grab hinter diesem Haus. Bis heute ist der kleine Flecken nicht bebaut.

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